Ortsbeschreibung Großalmerode
Inhaltliche Anlehnung an W. Küther; In: Historisches Ortslexikon, 1973, Heft 1, S. 3 f.
Topographische Ortsbeschreibung
Messtischbl. 4724. 300-500 m üb. NN. Auf flachen, nach NW gerichteten Sporn zwischen Gelster u. einmündendem Faulbach die (ehem. oval ummauerte?) Kirche; nordwestlich zu ihren Füßen langgestreckter Dreiecksmarkt an der Talstraße Kassel-Sooden/Allendorf od. Witzenhausen. Chaussee Großalmerode-Witzenhausen 1835. Bahn (Kassel-) Helsa-Großalmerode-West 1884; (Eichenberg-) Witzenhausen-Großalmerode-Ost 1915.

Namensformen
Almerodde 1386 (StAM Rechn. I 87, 2 f. 35); Almerade 1446; Almeraide 1471; zu Almeraede 1473; Almanrode 1537; Almenraid, zu Almerode, Grossen Almerode, -Almenrod 1558; Almnrodt um 1570; Glaß-Großalmerode 1572/89; Almerodt, Grossen Almerodt, in Grossen Almeroda 1575/85; Groß Allmerode, -Almerode 1747.
Siedlungentwicklung
1446 Dorf; Teile der Gemeinde
gehörten 1558 zur Gemeinschaft des Kaufunger Waldes, wobei Rottzehnte zw. hess. u. braunschw.
Förstern geteilt wurden. 1775 Stadtrecht mit unabhängiger Stellung irn Amt Kassel-Neustadt
u. 4 Jahrmärkten. 880 ha, dazu 1338 ha Wald (mit Anteil am Kaufunger Wald). 1569: 83 Acker
Rodeland, 387 Acker Wald;1781: 2689 Acker; 1900: 811 ha, davon 260 ha Acker, 424 ha Wiesen.
In der Gemeinde die Ortsteile Blaustein, Bunte Mühle, Faulbach, Giesenhagen, Glashütte,
Hirschberg, Niedergut, Querenberg, Steinberg, Thomasmühle, Walkmühle, Witzelmühle.
Ältere Gemeindekarte etwa 1700.
Einwohner
1461 u. 1480/84: 19 Feuerstellen, 1519 u. 1528: 26 Hühner, 1564/65:104 Rauchhühner. Um 1570: 113 Hausgesessene, 1580/82: 118. 1747: 194 Mannschaften mit 147 Feuerstellen, 1781: 1267 Einwohner, 1834:1889 Einwohner, 1852: 2374 Einwohner, 1875: 2462 Einwohner, 1905: 3184 Einwohner, 1925: 3379 (3185 Einwohner, 75 rkth. , 45 Bapt. , 135 Method.),1950: 4763 Einwohner, 1961: 4436 Einwohner (3471 ev. , 838 rkth.), 1970: 4611 Einwohner, 2001: 4021 Einwohner.
Berufe
Berufsgliederung 1961: 184 Selbständ.,
92 Mithelf., 381 Beamte u. Ang., 965 Arb., 139 Lehrl. 47 Landwirtsch. u. Forst, 1145 Energie,
Bergbau u. verarb. Gewerbe, 73 Baugewerbe, 202 Handel, 53 Verkehr u. Nachrichtenwesen, 19 Banken
u. Versich.
Verwaltung
1446: Amt Kassel-Neustadt. 1807: Kanton Kaufungen. 1814: Amt Kassel-Neustadt. 1817-1821: eigenes Amt, 1821: Kreis Witzenhausen. 1974 Werra-Meißner-Kreis. Grundherr wohl immer Hessen. 1564/65: hess. Rügegericht 1747: Ndr. -u. peinl. Gericht Hessen. 1807: Friedensger. Kaufungen. 1814: Hessen. 1817-21: Amt Großalmerode 1821: Justizamt, 1867: Amtsgericht Großalmerode 1943: Amtsgericht Witzenhausen. Infolge Gemeinde- und Landkreisreform Eingemeindung der bis dahin selbständigen Gemeinden Epterode (bis 1970), Rommerode, Laudenbach, Trubenhausen, Uengsterode (bis 1974), Weißenbach (bis 1971); 1974 Zusammenschluss der Kreise Eschwege und Witzenhausen zum Werra-Meißner-Kreis.
Kirche
Spätgot. Kirche (Kanzel
bezeichnet 1514) 1913/16 umgebaut. Filialen um 1570 u. noch 1872: Epterode, Wickenrode, 1925
nur noch Epterode. 1747: eingepfarrt Niedergut. Dazu 1780: Witzel-, Thomas-, Erbsmühle,
Hirschberg. Dazu 1872: Faulbach, Steinberg, Bunte- u. Walkmühle, Querenberg, Giesenhagen.
Dazu 1925: Großalmerode Bhf.-Ost u. Bhf. Epterode, Ballenpeter. Patronat: seit 1570 Lgf.
v. Hessen. Erster ev. Pfr.: Kurt Follandt 1539. Archidiakonat Heiligenstadt. 1585: Sup. Kassel.
1780: Klasse Kassel-Neustadt. 1804 u. 1872: Klasse Kaufungen. 1923: Kirchenkreis Kaufungen.
Nach 1929: Kirchenkreis Witzenhausen. 1580: Schul- u. Kirchendiener Sebastian Buchholz.
Mittelpunktfunktionen
1817-1821: Stadt Großalmerode mit ehem. Vogtei-Rückerode (zugehörig: Epterode, Trubenhausen, Uengsterode, Wickenrode) Sitz eines Amtes Großalmerode. 1821-1831: Sitz des Justizamtes Witzenhausen Großalmerode, 1831-1867 des Justizamtes, 1867-1943 des Amtsgerichts Großalmerode, Gesamtschule 1972.
Handwerk und Industrie
1443 Glashütten im Kaufunger Wald, seit 1465 zu Großalmerode. Durch den Bauernkrieg Verlegung der mitteldt. Gläsnerzunft nach Großalmerode. 1537 Sitz der Gläsnerzunft für Hessen, Braunschweig, Harz, Rhön u. weitere Umgebung; Bundesbrief Lgf. Phil. für Bundesmeister u. Gläsner zu Großalmerode. Monopol nach 1560 aufgehoben, doch noch 1572 Feingläser u. Kolben für Apothekerzwecke; dann Niedergang der Glasmacherei. Dafür Aufstieg der Tonindustrie. Ton seit 15. Jh. gewerbl. genutzt; 1484 ein Töpfer genannt, Tonzins an Lgf. (Regal). Seit 1600 Schmelztiegel u. Spielkugeln. Wegen des Rückgangs der Fertigung Aufhebung des Privilegs 1651. Tiegelmacherprivileg 1790, 1836 Fertigung von Tiegeln, bedeutendstes Gewerbe der Stadt; um 1860: 8 Fabriken. 1887: Vereinigung mehrerer dieser Firmen zur Vereinigten Großalmerode Tonwerke (Herstellung von Schammottesteinen). Daneben Fertigung von Pfeifenköpfen; um 1860: 12 Fabriken. Seit 1592 u. noch irn 18.Jh. Abbau von Alaun, gegen 1860 Ultramarinfabrik. Braunkohle seit 1690 ausgebeutet. Eine Walkmühle befand sich am NO-Ende der Stadt.